Bibelanalyse: Der Auszug aus Ägypten und die realistische Zahl der Israeliten
In der Mitte der Woche sandte der Pharao zunächst eine kleinere Truppe hinter den Israeliten her, um sie zur Umkehr zu bewegen. Doch die Israeliten weigerten sich zurückzukehren.
Als die Nachricht davon Ägypten erreichte, verwandelte sich die Trauer um die Erstgeborenen in Wut. Der Pharao entschloss sich daraufhin, selbst mit seiner Streitmacht aufzubrechen. Viele ägyptische Krieger waren voller Zorn. Die Israeliten hätten ohne Gottes Hilfe und seinen Befreiungsplan keine Chance gehabt.
Denn sie waren vermutlich kein riesiges Volk, sondern eher eine kleine, verletzliche Gemeinschaft aus Familien, Hirten, Kindern und Alten.
Doch genau hier beginnt die eigentliche Frage:
Konnte aus den siebzig Menschen, die nach Ägypten kamen, innerhalb weniger Generationen wirklich ein Volk von über 600.000 Männern entstehen?
Die Bibel selbst nennt uns die Ausgangszahl:
„Alle Seelen des Hauses Jakob, die nach Ägypten kamen, waren siebzig.“
— Buch Genesis 46,27
Gleichzeitig lesen wir später:
„Und die Kinder Israel zogen aus von Ramses nach Sukkot, etwa sechshunderttausend Mann zu Fuß, ohne Frauen und Kinder.“
— Buch Exodus 12,37
Doch betrachtet man die Generationenfolge genauer, entsteht Spannung.
Mose und Aaron waren Brüder. Mose war beim Auszug 80 Jahre alt.
„Mose aber war achtzig Jahre alt und Aaron dreiundachtzig Jahre alt, als sie zum Pharao redeten.“
— Buch Exodus 7,7
Sein Vater hieß Amram. Moses Urgroßvater war Kehat, der Sohn Levis.
Die Bibel beschreibt die Linie klar:
Levi → Kehat → Amram → Mose
„Kehat aber zeugte Amram; Amram zeugte Aaron und Mose.“
— Buch Exodus 6,18–20
Levi und Kehat gehörten bereits zu den siebzig Menschen, die während der Hungersnot mit Jakob nach Ägypten kamen.
Zwischen Levi und Mose liegen laut Bibel also nur wenige Generationen. Genau deshalb wirkt die Zahl von 600.000 Männern schwer vereinbar.
Die erste Generation war längst gestorben:
„Josef aber starb und alle seine Brüder und jene ganze Generation.“
— Buch Exodus 1,6
Selbst wenn man großzügig rechnet und annimmt, dass jede Familie außergewöhnlich viele Kinder bekam, entstehen dennoch keine Hunderttausende Menschen.
Jakob hatte insgesamt etwa 51 Enkel. Kehat war einer dieser Enkel und Vater von Amram. Wenn sich Kehats Familie ähnlich vermehrte wie die übrigen Familienzweige, könnte Amram vielleicht ungefähr 200 Cousins gehabt haben.
Beispielrechnung
Wenn jede dieser Familien vier Kinder gehabt hätte:
- 200 Cousins
- 800 Kinder
- 200 Ehefrauen
- etwa 2400 Enkelkinder
Dann ergäbe das:
👉 ungefähr 3600 Personen
Dazu kommt noch das Mischvolk:
„Und auch ein Mischvolk zog mit ihnen; und Schafe und Rinder in sehr großer Zahl.“
— Buch Exodus 12,38
Selbst wenn man großzügig weitere 2400 Personen hinzurechnet, ergibt das insgesamt:
👉 etwa 6000 Menschen — inklusive Kinder und Betagte.
Im Vergleich zur traditionellen Auslegung wären das zwei Nullen weniger.
Interessant ist außerdem die Größe ägyptischer Heere. Große Feldzüge umfassten häufig etwa 40.000 bis 50.000 Soldaten. Gegen eine kleine Flüchtlingsgruppe wäre ein solches Heer absolut überwältigend gewesen.
Möglich ist daher auch, dass bestimmte hebräische Begriffe später missverstanden oder ungenau übertragen wurden. Das hebräische Wort „elef“, das häufig mit „tausend“ übersetzt wird, kann je nach Zusammenhang auch „Sippe“, „Familieneinheit“ oder „Trupp“ bedeuten.
Dadurch könnten aus ursprünglich kleineren Zahlen später gewaltige Volksmengen geworden sein.
Die Bibel nennt außerdem die Zeitspanne des Aufenthalts in Ägypten:
„Die Zeit, die das israelitische Volk in Ägypten wohnte, betrug vierhundertdreißig Jahre.“
— Buch Exodus 12,40
Auch eine apokryphe Stelle im sogenannten Evangelium des Nikodemus erwähnt diese Zeitspanne ausdrücklich:
„… von Abraham bis Mose vierhundertdreißig [Jahre].“
Wahrheit fürchtet keine Prüfung
Wie gehen wir damit um, dass gewisse Details in der Bibel unterschiedlich oder ungenau übersetzt wurden? Werfen wir deshalb die ganze Bibel weg? Natürlich nicht. Gottes Wahrheit wird nicht schwach, nur weil Menschen fehlerhafte Abschriften gemacht haben.
Gottes Wort ist vollkommen — menschliche Überlieferung hingegen nicht.
Gerade diese Erkenntnis löst Spannung aus, weil viele gelernt haben, jede überlieferte Zahl oder Formulierung mit Gottes vollkommenem Wort gleichzusetzen.
Die Bibel selbst fordert uns auf, Gott nicht nur mit unserem Herzen, sondern auch mit unserem Verstand zu lieben.
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken.“
— Evangelium nach Matthäus 22,37
Darum sollte ehrliches Prüfen keine Angst auslösen. Denn Wahrheit hat nichts zu fürchten.
„Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten.“
— Evangelium nach Johannes 16,13
Denn Gottes Wahrheit wird nicht kleiner, wenn man genauer hinsieht — sie wird klarer.

